Dienstag, 8. Februar 2011

#25 Honduras



Es sollte das letzte Mal sein, dass wir an einer Grenze irgendwelche Ein- oder Ausreisegebühren bezahlen mussten, bevor wir Mexiko erreichten. Alle Menschen leben auf der gleichen Mutter Erde und es ist immer traurig, die imaginären Grenzen, die wir zwischen uns aufgebaut haben, so deutlich zu spüren. Die Enttäuschung verflog schnell, als wir in einem riesigen “Truck” saßen und der Fahrer uns, in sehr amüsanter Art und Weise, über Honduras aufklärte: “Hier sind alle korrupt und es wird mehr Kokain und Marihuana exportiert als irgendein anderes Gut”. Er lachte als er dies sagte. Wir schmökerten in seinen Wachturmheften, die auf seinem Bett rumlagen, denn er ist gerade dabei ein Zeuge Jehovas zu werden. Jeder, der dieser Glaubensgemeinschaft beitreten will, muss wohl eine Art Aufnahmeprüfung machen, um wirklich in die Glaubensgemeinschaft aufgenommen zu werden! Wir fuhren im Konvoi mit anderen Brummies.
Auf Grund der Sicherheitslage des Landes ist es, sogar am helllichten Tage, für die reichbeladenen LKWs gefährlich. Einmal hielten wir, wegen einer Panne, an einer Tankstelle an. Wir staunten nicht schlecht über die mit fetten Shotguns und

Maschienengewehren ausgerüsteten Sicherheitskräfte, die einfach da standen, wahrscheinlich hauptsächlich um abzuschrecken. Weiter gings im Pickup. Wir genossen den Blick auf die bergige Landschaft mit ihren schönen Pinienwäldern, bevor wir dann, quasi direkt, vor einem riesengroßen Einkaufszentrum in Tegucigalpa, der Hauptstadt des Landes, abgesetzt wurden. Tegucigalpa wirkt wie ein Meer aus Häusern, Hügeln und Bergen. Es liegt auf 1000m und die Luft ist klar. Überall in den Straßen hängen tausende Strom- und Komunikationskabel wild durcheinander, völlig unkordiniert und in Deutschland sicherlich verboten. Wir haben Hunger und schreiten zum Konsumtempel. An so einem Ort fallen immer jede Menge an Essensresten an, überall wird konsumiert, von allem gibt es Überfluss, aber es ist nur die Spitze eines Eisberges denn der Zeitgeist des Konsum ist algegenwärtig, für uns war das “Shoppingparadies” der helle Wahnsinn, die materielle Welt auf seinem Zenit der Zeit, noch dazu weil in den Monaten November und Dezember mehr gekauft wird als sonst, denn wie jedes Jahr steht Weihnachten vor der Tür. Inmitten des mehrstöckigen “Einkaufswelt” wurde ein überdimensionaler Weihnachtsbaum aus Plastik errichtet. Geschmückt ist der Plastikbaum mit Lametta, Kugeln und quadratischen Schildchen der Citibank, eines der größten Bankhäuser der USA - als ob die Banken beim

Fest der Liebe im Mittelpunkt stehen würden. Ein als Weihnachtsmann, oder besser gesagt als CocaColamann, verkleidete Person ließ sich mit den Kindern und sogar Babies ablichten. Die armen Kleinen wurden teilweise mit Gewalt zurechtgewiesen, um auch einen guten Schnappschuss abzugeben. Die Menschen bewegten sich mit ihren vollen Einkaufstüten wie von Geisterhand. Eine laute Band “peitschte” mit ihrer Musik die automatisierten Konsumenten an. Ich fragte mich, wie kann es sein, dass wir in so vielen Teilen der Welt die Weihnachtszeit, die Zeit der Familie und Liebe, der Besinnung und Freude, mit Produkten feiern; sie mit Stress und Konsum füllen und dabei die negativen Auswirkung, die jeder Kauf auf unsere Mutter Erde und unsere Mitmenschen hat, außer Acht lassen. Es schien wie im Film “Matrix”, wo die Menschen von den Machinen kontrolliert werden, die Energie der ihrer Körper von den Roboter abgezapft wird und den Gehirnen eine virtuelle Welt vorgegaukelt wird, eine Welt wie wir sie kennen, unsere Welt in der wir Heute leben, nur, dass hier in unser Realität alles freiwillig ist. Wir haben uns also selbst zum Sklaven des Systems gemacht, rennen einer Sache nach, leben etwas nach oder erhalten etwas am Leben das wir nicht mehr durchschauen, verstehen und somit (im eigenen Leben) einfach komplett den Überblick verloren haben. Es ist November 2010, die Erde dreht sich und wir uns mit ihr. Wir haben immer genügend Essen in unseren Supermärkten, alle Läden sind voller als voll, es herrscht Überfluss. Mangel kennen wir nicht mehr und doch stirbt irgendwo auf der Welt, alle 4 Sekunden, einer unserer Mitmensch - an Hunger oder den direkten Folgen davon. Wir lenken uns ein wenig ab und “recyceln” einen Kinofilm. Bis jetzt hat uns noch nie ein Kinobesitzer

abgewiesen, im Gegenteil, wir wurden immer mit Freude empfangen. Als Dank halfen wir nach dem Film den Saal von den nichtaufgegessenen Popcorns zu befreien. Es war schon dunkel und wir wussten nicht wo wir schlafen sollten. Ein lieber Taxifahrer wollte uns helfen und setzte uns vor einem großen Krankenhaus ab, doch hier war alles anders als in den bisherigen Kliniken die wir besucht hatten. Zuerst mussten wir mit dem Chef der Sicherheitsleute sprechen. Dann ließ man uns einfach hinein und warnte uns nur, dass wir auf unsere Sachen aufpassen sollten. Wir ahnten nicht in welchem Zustand das Krankenhaus war. Es fehlten Türen, Waschbecken, Stühle, Klodeckel, Lampen und vieles mehr. Auf der Suche nach einem Schlafplatz passierten wir dunkle Gänge, große leere Räume und stolperten fast über die wahrlos herumschlafenden Menschen.
Alles war nur spärlich beleuchtet und wir hatten das Gefühl in einem Gruselfilm zu sein. In dem Haus, wo eigentlich alles top organisiert sein müsste, um den Patienten bestmöglichst behandeln zu können, herrschten anarchische Zustände. In der Decke klafften große Löcher und ein Wachman lag vor

Müdigkeit mit seinem Kopf im eigenen Schoss. Wir waren froh “nur” zum Schlafen hierhergekommen zu sein und mummelten uns eng aneinander in eine Ecke. Trotz der katastrophalen Zustände, waren wir sehr dankbar für die Gastfreundschaft, für ein Dach über dem Kopf mit perfekten Windschutz. Schon früh morgens schlenderten wir wieder durch das Zentrum der Stadt und sahen viele Bettler, Menschen die auf der Straße lebten und arme Kinder. Ein lieber Bäcker füllte eine unserer großen Tüten mit Brot, welches er nicht mehr verkaufen kann. Wir genossen es, an einem der Tische in der Bäckerei platz nehmen zu können. Als wir wieder auf die Straße gingen fanden wir niemanden mehr, der unser Brot essen wollte, denn anstatt der armen Leute sahen wir nun überall Polizisten mit großen schweren Schnellfeuerwaffen, die das Zentrum von den Obdachlosen gesäubert hatten! Unglaublich aber wahr, die Menschen die nach acht Uhr in die Altstadt kommen, sollen keinen Eindruck von dem Leid der Straße bekommen, um unbehelligt und ungestört Shoppen gehen zu können. Für die zweite Nacht in der Hauptstadt suchten wir

ein angenehmeres Plätzchen zum Schlafen. Wieder einmal wurden wir bei der Feuerwehr fündig, die uns sogleich in das große Schlafzimmer der Chefs einquartierten. Für zwei Tage wurde die Feuerwehrstation unser Heim und wir freundeten uns mit mehreren der super lieben Männer in Uniform an. Wir wurden Zeugen wie die sieben Telefone in der Zentrale der Station heißliefen, fast jede Sekunde klingelte es und manchmal sogar zwei oder drei Telefone gleichzeitig. Drei Feuerwehrleute saßen im Schichtdienst da, um die zu 99,9% falschen Anrufe entgegenzunehmen. Die Spaßanrufe werden hier nicht verfolgt. Das gelangweilte Volk hatte seine Freude daran, die Feuerwehrmänner rund um die Uhr zu nerven, anzuschreien, ihnen Geschichten zu erzählen, zu singen oder einfach nur aufzulegen sobald sie “Bomberos de Tegocigalpa buenas noches” hörten. Diesen Satz mussten die Uniformierten jedes Mal sagen, wenn sie den Hörer oder auch zwei an ihre Ohren hielten.


Um nicht schon wieder irgendwelche Gebühren abdrücken zu müssen besuchten wir das belizische Konsulat. Der Konsul war ein sehr freundlicher Banker, der international und eben auch in Belize Banken unterhält. Er konnte uns zwar nicht weiterhelfen, lud uns aber in sein luxuriöses Restaurant zum Essen ein. Eine Verwandte von ihm wollte uns dann noch zu einer berühmten Kirche bringen und so setzen wir uns in ihr riesiges Auto und waren erschrocken wie kalt und hochnäsig sie über ihre Landsleute sprach.

Noch nie hatten wir soviel Ignoranz und Diskriminierung aus einem Mund vernommen! Sie erklärte uns, dass es zwei Sorten von Honduraner gäbe, die die Bescheid wissen, fleißig und gebildet sind, sowie die Arbeiterklasse die überhaupt keine Ahnung vom wirklichen Leben hat und blind irgendwelchen sozialpropagandistischen Politikern vertraut. Die Tatsache, dass Honduras (laut Transperancy International) das korruptteste und nach Haiti ärmste Land Mittelamerikas ist, sowie der im Jahr 2009 verübte Militärputsch gegen Manuel Selaya, einem linksliberalen Präsidenten, der sich für die breite Masse eingesetzt hat, schien laut ihr keineswegs mit der reichen Elite des Landes zu tun zu haben, die sehr USA-freundlich ist. Die Wohlhabenden des Landes haben dank der Unterstützung der Vereinigten Staaten seit dem Putsch wieder die Oberhand und so wird auch weiter nur auf riesengroßen Schildern stehen “Primero los Pobres” (zuerst die Armen), denn die Realität sieht anders aus: hohe Arbeitslosigkeit, verzweifelte Jugendbanden und eine bis zu 80% in Armut lebende Bevölkerung mehr als irgendwo sonst in der Region Zentralamerikas. Doch die Fahnenstange der Absurdität der Frau war noch nicht erreicht. Als sie uns in die Kirche hineinschleppte, wurde sie freundlich von dem Pfarrer empfangen und der lud uns gleich ein hoch zum Altar zu gehen, wo eine winzige kleine Jungfrau Maria,

mit einem 1 1/2m langem Gewand, in einer riesigen Glasvitrine stand. Nun kam es zum Höhepunkt der Ereignisse. Der Geistliche bot unserer “gläubigen” Fahrerin an sie einzuladen, wenn das Gewand des, vor hunderten Jahren von einem Hirten gefundenen, Figürchen gewechselt wird. Er sagte, dass sie immer ein paar “besondere” Menschen zum Gewandtausch einladen, wobei man die Möglichkeit hat die 5cm große Jungfrau Maria von ganz nah zu betrachten. Sie war sofort sehr geschmeichelt und zückte ihr Iphone und fragte nach seiner Nummer, um es bei dem Geistlichen anklingeln zu lassen; es klingelte und da holte auch er sein nagelneues Apple Iphone aus seiner blitzblanken sauberen Hose. Noch peinlicher wurde es beim Verlassen der Kirche, als uns die, sich selbstverständlich mehrfach bekreuzigende, Frau nicht einmal genau erzählen konnte wie sich die Geschichte der Jungfrau von Suyapa zugetragen hat. Nichtsdestotrotz bestand sie darauf uns ein Andenken an die Jungfrau zu schenken. Flink handelte sie einen super Preis aus und hatte dann wirklich die Dreistigkeit zu fragen, ob die Verkäuferin Wechselgeld für 500 Lempiras hätte. Das sind zwar nur

20€, aber die Halsbänder mit der Jungrau dran kosteten sie weniger als 20 Lempiras. Wir ließen uns nichts anmerken, konnten es aber kaum glauben, wie herablassend und in einem fort sie über ihr Volk und ihre Mitmenschen redete, als ob sie Untermenschen, ja Leibeigene von ihr wären. Da die deutlich frustrierte, mittfünfziger Frau unfruchtbar ist und auch nie ein Kind adoptieren wollte, fand sie einen anderen Weg an ein Kind zu kommen. Sie konnte eine ihrer Zugehfrauen überzeugen, dass diese ja nicht über genügend finanziellen Mittel verfüge, um dem in ihrem Bauch heranwachsenden Kind ein gutes und sicheres Leben mit Erfolgsaussichten zu ermöglichen ohne den Rückschluss zu ziehen, dass ihre Angestellte auf Grund der schlechte Bezahlung ihrer Arbeit so arm ist... Zusammen gingen sie dann zur Entbindung ins Krankenhaus, wobei das Neugeborene in den Armen unserer “noblen” und gutbetuchten Frau aus dem Spital herausgetragen wurde, samt einer Geburtsurkunde mit ihrem Namen, statt der ihrer Angestellten, an der Stelle wo Mutter steht. Nachdem ich sie fragte gab sie zu, dass die biologische Mutter ihr Kind so gerne gesehen hätte, oft anrief, aber sie sie eiskalt abwiegelte und sie ihr Baby nicht sehen durfte, denn der “Vertrag” sei anders abgemacht worden. Ich war mir fast sicher, dass die aus einfachen

Verhältnissen stammende Putzhilfe gegen eine lächerliche Summe unterschrieben hat und somit zustimmte das alles über sich ergehen zu lassen und einwilligte nie Anspruch auf ihr Kind erheben zu dürfen. Selbstverständlich ist die gesamte Aktion auch hier in Honduras, wie wahrscheinlich überall auf

der Welt illegal, aber wen von der “vom Kapitalismus profitierenden” Klasse interessiert heute schon etwas Verbotenes, moralisch Verwerfliches, Umweltschädliches oder sozialethisches Fragliches? Wir leben im Beginn des 21. Jahrhunderts der wohl scheinheiligsten, falschesten und zerstörerischsten Ära des Menschheit. Unser Zeitgeist sind Lügen, Korruption, Devisen, Machtgeilheit, Unterdrückung, Ausbeutung und Heuchelei - auf allen Ebenen unseres kapitalistischen Systems was immer mehr zu wanken beginnt.
Wir wollten weiter, raus aus der Stadt und wieder rein ins Abenteuer. Unser Ziel für Heute ist San Pedo Sula, die Industriemetropole von Honduras. Wieder einmal lief alles im Fluss, schnell fanden wir ein Auto das uns bis zum Stadtende mitnahm und schwupps saßen wir schon auf einem Pickup in Richtung Bestimmungsort und ließen uns den Wind durch die Haar wehen. Sagenhafte Landschaften und unzählige Grüntöne rauschten an uns vorbei und schon von Weitem sahen wir die Dreckswolken über der Industriezone San Pedro Sula in den Himmel steigend. Wie hätte es auch anders sein können, auch bei der hiesigen Feuerwehr durften wir schlafen. Per Zufall war am nächsten Morgen das Fernsehen gekommen und so gaben wir noch ein Interview, bevor wir in

die Stadt trampten. Nichts leichter als das, schon nach wenigen Sekunden nahm uns jemand mit und setzte uns im Zentrum an einem Platz ab, wo seit dem Putsch die treuesten Anhänger des gestürzten Manuel Selayas ausharrten und sich für seine Politik und Rückkehr stark machten. Wir brauchten wieder einmal Internet und gedachten alle in das Kulturzentrum zu gehen, doch da ließ man nur Nieves und C. mit Rock rein, wir mit kurzer Hose und ohne Hemd, mussten draußen warten. Diskrimination und Ungerechtigkeit, aber es war auch mal gut zu spüren das wir nicht zu den privilegierten gehörten und wir

hätten liebendgerne mit demjenigen der die Regeln aufgesetzt hat gesprochen, mit dem Türsteher der einfach nur ausführt was ihm gesagt wird hatte es keinen Sinn zu diskutierten. Benji und ich fanden in einem Internetcafe zugang zum World Wide Web wo man uns in den meisten Fällen immer gerne Computer zur Verfügung stellte. Auf dem Weg zum Kino machten wir noch einen kurzen Pitstop bei einer Zeitung und als wir im Einkaufszentrum, was für viele Latinos der Lebensmittelpunkt ist, angelangten, fragten wir noch kurz nach den Lebensmittelresten der unzähligen Restaurants. Es dauerte nicht lange, da versprachen uns schon mehrere Chefs am Ende des Tages aufzubewahren was eigentlich weggeschmissen wird. Es war eine reiche “Ernte”, denn wir konnten zwei unser Rucksäcke mit Köstlichkeiten füllen, die sogar noch teilweise warm waren. Per Anhalter ging es zurück zu der Feuerwehr. Als der gutmütige Taxifahrer, der uns gerne seine Hilfe anbot, mit seiner Frau telefonierte, kannte die uns schon aus den Nachrichten. Wir gaben ihm ein wenig von der recycelten Pizza und gingen, bei der Feuerwehr angekommen, auch gleich schlafen. Es wurde die übelste Nacht der Reise, bis auf Benji mussten wir uns alle übergeben, hatten schlimmsten Durchfall und Magenschmerzen, denn wir hatten von dem Leitungswasser getrunken, nachdem ein Feuerwehrmann uns sagte das es genießbar sei. Es war ein Fehler Leitungswasser zu trinken, ohne es vorher mit unser LifeSaferBottle gefiltert zu haben, denn die letzten 10 Monate tat sie uns einen wunderbaren Dienst, funktionierte noch immer einwandfrei, auch wenn sie schon mehrere Male auf den Boden gefallen war . Benji pflegte uns rührend und die Feuerwehr ließ uns ohne Probleme in ihren Betten schlafen um Kraft zu schöpfen. Wir machten kurzerhand aus der Feuerwehrstation ein Lazarett.


Wieder fitter machten wir uns auf den Weg zur Karibikküste von wo aus wir per Schiff direkt nach Belize einreisen wollten, um so Guatemala zu meiden wo wir auch wieder etwas zahlen müssten um einzureisen. Einer unser Fahrer war Wilson, ein selbständiger junger Mann, der schon viel in seinem Leben erlebt hatte. Mit nur 13 Jahren machte er sich auf den Weg in die Vereinigten Staaten. Auf seiner Odyssee in den Norden passierte er Guatemala und ganz Mexiko, wurde ausgeraubt, ausgenutzt und

überlegte sich als er auf dem Weg durch die Wüste war, dass es vielleicht doch besser ist, umzukehren! Ein tragisches Schicksal was sich millionenfach jedes Jahr an vielen Grenzen der Welt ereignet und weiter geschehen wird, solange wir nicht für mehr Gerechtigkeit auf globaler Ebene sorgen. Damit kann jeder einzelne von uns auf lokaler Ebene beginnen, denn solange wir nicht für Gerechtigkeit und ein faires Miteinander mit den ärmeren Ländern in unseren Breitengraden eintreten werden weiter Millionen ihre Heimat verlassen und auf ein besseres Leben im Norden hoffen! Ein weiterer Fahrer war Importeur von sehr teurem Futtermittel für die Massentierhaltung in ganz Zentralamerika. Jede Woche gelangen so abertausende Tonnen von in Container gepacktes Futtermittel , von der Schweiz in die Futternäpfe der leidenden Tiere. Schon lange grasen auch hier nur noch ein Bruchteil der Kühe, Schweine und Hühner, die dann auf dem Teller landen. Die Krönung war die Mitfahrt in einem Polizeiauto, dieses Mal mit einer schwerbewafneten Spezialeinheit Der Beifahrer, sowie ein anderer Uniformierter, der nicht wirklich mit uns sprechen wollte, hatten ein Maschinengewehr zwischen ihren Beinen ruhen. In Puerto Cortes schliefen Benji und C. bei der Feuerwehr und Nieves und ich gleich neben an beim Roten Kreuz, die uns sehr zuvorkommend behandelten. Wir schliefen fest und gut auf einer Matratze, die man uns in das “Wohnzimmer” gelegt hatte. Es schüttete schon eine ganze Weile wie aus Kübeln. Es war schon nach

drei Uhr morgens als plötzlich die Lichter angingen und wir feststellten, dass wir von Wasser umgeben waren. Scheinbar war es nicht die erste Überschwemmung, die das zu tief gebaute Gebäude erlitt und so war es nur eine Freude für die jungen freiwilligen Helfer vom Roten Kreuz sich selber zu helfen. Egal wie schnell und fleißig wir versuchten die Wassermengen wieder aus dem Haus zu drängen hatten wir keine Chance, denn solange es nicht weniger regnete floss alles wieder in die Hütte rein. Ich stellte eine riesengroße Tonne direkt unter das Dach, um uns und unsere Kleidung später ein wenig waschen zu können. Mit dem Morgengrauen hörte es dann auch auf zu regnen und die Sonne kam langsam zum Vorscheinen. Nun konnten wir waschen. Danach setzten wir uns an zu viert an die Rechner, die man uns zur Verfügung stellte und fingen an zu arbeiten. Wir waren durch das schnelle Reisen, ohne Computer, viele Länder im Rückstand was die Berichterstattung unseres Abenteuers anbelangte! Eines Abends, in der etwas verlassenen und toten Stadt, fragten wir einen kleinen Essensstand, ob sie auch etwas vegetarisches hätten. Sogleich wollte uns der Besitzer alles anbieten was fleischlos war und als ich sagte, dass wir leider kein Geld hätten, erwiderte der gutmütige Mann mit Herz, dass er uns gerne einladen würde, er sei selbst auch mal in einer solchen Situation gewesen. Das Ehepaar war rührend mit uns, sie fragten interessiert nach und klagten dann über ihr wirtschaftliches Leid. Seitdem viele Textilfabriken von hier nach China abgezogen worden sind, weil die Menschen dort für noch weniger Geld am Fließband stehen, fehlt ihnen die Kundschaft. Am Montag fuhr das Boot nach Belize und als wir zum Hafen trampten entdeckten wir, dass wir auf der Titelseite der nationalen Zeitung abgebildet waren.


Leider half uns das, bei unseren unermüdlichen Versuchen den Bootsbesitzer, der vor lauter Alkoholkonsum nicht einmal zur Arbeit kam, zu überreden uns passieren zu lassen, nicht weiter. Nach vielen Stunden hin- und her, ließen wir es sein und folgten dem Wink des Schicksals nach Guatemala. Wie immer ging es ruckzuck zur Grenze und wir verabschiedeten von diesem wunderbaren Land und seinen so herzaften Menschen!


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