Sonntag, 11. Juli 2010

#10 Der Hafen und die Suche nach dem Schiff das unseren Traum Wirklichkeit werden lassen sollte

Hunderte Segelschiffe die hier, unweit von den großen Containerschiffen ihr Dasein fristeten, warteten auf den Tag, an dem der Besitzer kommt und es wie ein Autosonntagsfahrer gassi fahren geht. Ja die meisten Schiffe warten eher als gebraucht zu werden und passen gut zu dem Werbeslogan mein Haus, mein Auto, mein Schiff, denn die meisten Bootbesitzer arbeiten viel und haben garkeine Zeit für ihre Prachtstücke. Einige Boote sind auch im katastrophalen Zustand, andere werden fast tagtäglich gereinigt, gesäubert und wenn es sauber ist fängt man wieder an der anderen Seite an zu putzen.

Manche Personen leben auch wirklich auf dem Boot und haben gar kein Haus, das sind dann eher die Dauercampertypen. Da wir erst im April in Las Palmas ankamen hatten wir die Saison der Schiffe verpasst die in die Karibik oder nach Brasilien aufbrechen und das war auch die Information die uns jeder den wir auch nur fragten ob er vielleicht „rüber machen“ wollte auf die Nase binden musste. So hörten wir ständig: „nein momentan werdet ihr kein Boot finden, ab November wieder“ oder „tja da seit

ihr leider zu spät, jetz überquert niemand mehr den Atlantik“. Für all diejenigen die interessiert sind mal per Anhalter auf die andere Seite des Ozeans zu gelangen, die Hauptsaison ist zwischen November und Februar, wobei es im November wohl am leichtesten ist da eine riesen Regatte mit Hundertden Segelschiffen von Las Palmas gen Karibik aufbricht und man erzählte uns sogar das um die 50 Bootramper um diese Zeit aufkreuzen und alle ohne Probleme eine Mitfahrgelegenheit finden. Doch das alles interessierte uns nur am Rande, denn wir waren nun mal jetzt da und wussten , auch wenn es nur ein paar Schiffe gab die pro Woche in See stachen, es eine Frage der Zeit war und wir nicht aufgeben wollten. Niemand der in seinem Schiff Platz für uns hätte wollte uns mitnehmen, bzw. suchte gar nicht nach Crew-Mitgliedern, doch unsere Tours an den verschiedenen Bootsstegen machte uns schnell bekannt wie bunte Hunde und es war immer amüsant nach neuangekommenden Schiffen zu suchen und mit neuen Seglern zu quatschen. Unter anderem lernten wir auch eine französische Familie kennen die seit geraumer Zeit von Frankreich losgesegelt sind um die Welt zu bereisen, mit unterwegs war ihre kleine süße Tochter Lilly die gerade erst zwei Jahre alt war und quasi auf dem Schiff laufen gelernt hatte. Das Pärchen in den Mittedreißigern hatte alles verkauft, alles aufgegeben um sich und die Welt zu finden, sie waren uns sehr sympathisch und wir verstanden uns auf Anhieb. Wir erzählten ihnen von den faszinierenden Möglichkeiten hier auf den Kanaren zu containern und beide machten große Augen. Nur wenige Tage später entdeckten wir die beiden mit ihrem Engelskind beim shoppen, doch zahlen brauchten sie nicht denn die Lebensmittel die den Omawagen zum überquellen brachten war gefüllt mit containerten Lebensmitteln. Viele Menschen denen wir unsere Schätze aus der Tonne präsentierten waren begeistert, doch nur wenige schritten zur Tat und besonders keine Bootsbesitzer mit Kind!

Jedes Mal wenn wir wieder zu dem größten Hafen für Segelschiffe, quasi dem Nadelohr auf dem Weg von Europa in die Karibik, gingen fingen unsere Augen an zu suchen, nach frisch angekommenden Booten, es war wie eine Schatzsuche und wir spürten dass es bald passieren musste. Um bei der Suche nach Schiffen nicht ganz so ranzig zu wirken, machten wir regelmäßig unsere freiduschen in dem nur einen Steinwurf von der Tomatera entfernten, tiefschwarzen Sandstrand. Es war herrlich und wir fühlten uns mit dem Meer so verbunden, es ist wie als ob man mit allem was ist in Kontakt ist, denn alles Wasser ist wie ein riesengroßer Zyklus und wir erfreuten uns der so auch wohl ökologischsten Bad überhaupt. Ein Netzwerk namens Autoliberacion kontaktierte uns da sie von unserem Projekt gehört hatten und wir waren auf Anhieb begeistert. Aurora und Mike sind zwei junge Visionäre die an eine Welt ohne Geld glauben, zwar selber noch mit Geld leben, aber eine wahnsinnig tolle Iniative angestoßen haben. Die Idee ist, dass jeder Mensch viele verschiedene Talente, Gaben oder sonstiges weiß oder kann was man mit anderen teilen kann, dafür ist aber keine Schule, Geld oder etwas offizielles nötig, der reine Wille und die Freude am teilen reicht aus. Wenn also jemand Yoga lernen möchte besucht er den kostenlosen Yogakurs, der Yogalehrer bekommt dann z.B. einen Englischkurs von einem der Schüler und sofort. Der Grundgedanken ist die des Geben und Nehmens, des voneinander und miteinander Lernens. Wir waren sehr glücklich die beiden kennen lernen zu dürfen und als wäre es nicht genug, boten sie uns dann auch noch an mit ihnen zusammen in einem alternativen Café über unsere Reise zu sprechen und uns und unsere Philosophie vorzustellen. Das Café war noch nie so rappelvoll, die Stimmung bombig und die Luft stand still vor Aufmerksamkeit, Interesse und Passion für das was aus unserem Herzen sprach.

Es war nun schon fast ende April, ganze drei Wochen waren wir schon hier, suchten, genossen, lernten und praktizierten unseren Muttersprachen, ganz nach dem Konzept von Autoliberacion, unter uns und alle machten wir gewaltige Fortschritte. Als wir wieder ein mal motiviert und mit Energie zum Hafen liefen, spürten wir dass etwas passieren wird. Doch unsere Erwartungen von einem neuen Schiff wurden wieder nicht erfüllt und als wir dann am Gehen waren, kontrollierten wir fast schon aus Routine die Oberschatzkammern des Hafens, in der dunkelgrünen Tonne, der Farbe der Hoffnung fanden wir den Jackpot. Diesmal fanden wir Bücher, Pullover und vor allem aber zwei Flaggen fürs Boot, Panama und die Andere war tatsächlich eine weißrotgrüne mit dem Adler in der Mitte, MEXIKO! Wenn das kein Zeichen, noch nie hatten wir Flaggen gefunden und nun die unseres Ziellandes. Wir wussten nun das es nicht mehr lange dauern kann und unser Boot auftauchen würde. Mit viel Freude im Herzen machten wir uns wieder auf den Heimweg und konnten es nicht abwarten wieder aufzubrechen. Am nächsten Morgrn gingen wir dann noch motivierter, energiegeladen und unseres Schicksals sicher zum Hafen. Mit einer Bombenenergie zwischen uns und allem was ist klapperten wir ein weiteres Mal jeden Steg ab und es sollte der letzte, der der großen Segelschiffe sein wo wir Glück haben sollten. Da waren sie, gleich zwei neue Segelboote, jeweils mit italienischen Kapitänen. Wir sprachen mit dem einem Kapitän der auf seinem Boot weilte und der enttäuschte uns gleich mal mit einer Absage da wir keine Seeerfahrung hatten, doch das andere Segelschiff suchte wohl offensichtlich nach einer Crew und da wir niemand an Bord antrafen gingen wir schnurstracks, ja ein wenig aufgeregt zur berühmt

berüchtigten Sailorbar wo sich alle Kapitäne und Schiffsbegeisterte treffen. Der Moment auf den wir lange gewartet hatten stand unmittelbar bevor, da saßen sie, wie Engel in weißgekleidete dunkelbraun gebrannte Italiener, wir sahen sofort dass sie neu hier waren und Nicola zögerte nicht sie anzusprechen. Die beiden hatten eine Botschaft mitzuteilen und nach einer herzlichen Begrüßung und weniger als einer Minute palieren hatten wir das lang ersehnte GO von Marco und Francesco, zu mindestens nach Kap Verde wollten sie uns mitnehmen und höchstwahrscheinlich anschließend bis nach Brasilien! Unsere Herzen glühten vor Freude und wir gaben uns umarmend Freudenschreie von uns, es war ein magischer Moment und es war nun Wirklichkeit!

Hier gehts zum nächsten Artikel der Reise:
#11 Die letzten Tage auf Las Palmas

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