Montag, 5. Juli 2010

#4 Marokko, von Fez bis nach Agadir


Das alte Stadtzentrum heißt Medina und ist besonders wahrhaftig und urig in Fez, kleine Straßen, Gassen und machen die Medina von Fez besonders attraktiv. Überall wird verkauft, gehandelt, Tee getrunken, gelacht, getratscht, geschaut und vor allem gelebt. Es fühlt sich an als ob man sich in mitten eines großen Ameisenhaufen befindet der auf den ersten Blick chaotisch wirkt und doch sein System und Ordnung hat. Wir wollten das Hoteltrampen wieder probieren und fragten ein von jungen Menschen frequentierten Hostal in der Medina ob wir auf der Terrasse schlafen konnten und sie da, ohne zu zögern wurde uns auch der Korridor des Hotels angeboten! So schliefen wir endlich wieder unterm Sternenhimmel und wurden von der Sonne geweckt die uns Licht und Leben schenkt.

Auf dem Dach konnten wir dann endlich auch wieder in Ruhe unser kleines Solarkraftwerk aufbauen und Kameras, Laptop und andere elektronische Geräte laden, denn die Sonne schickt uns jeden Tag das tausendfache an Energie was die ganze Menschheit nicht in einem Jahr an Strom verbraucht. Als Frühstück schenkte uns ein spanischer Hostelgast den wir letzte Nacht kennengelernt hatten, ein großes Süßes Brot was uns schon einige Male angelacht hat. Ein Lehrer einer Schule führte uns durch die Stadt, seine Schule und später lud er uns zu sich nach Hause ein.
Dort gab es wie vorher versprochen einen feinen vegetarischen Tagine, wie oft mit dem Ritual die Hände mit warmen Wasser aus einer Kanne vor dem Essen zu waschen, das ist üblich hier da man oft mit den Händen aus einer großen Schale ist die alle teilen, ein wunderbares und gemeinschaftliches Beisammensein, typisch Marokko! Die Zeit verging wie im Flug, die Tage strichen ins Land und unser Interesse für die Kultur, den Islam und Marokko wuchs und wuchs. Nach ein paar Tagen in den Bergen in Fez wollten wir dann wieder in Richtung Süden trampen, nach Casablanca, der wirtschaftlichen Metropole des Landes. Viele Stunden warteten wir bei der Einfahrt auf die Autobahn gen Süden, doch niemand wollte uns mitnehmen, als es schon Nacht war entschieden wir uns loszulaufen, in die dunkle Nacht, quasi dem Schicksal entgegenlaufend! Und so war es, nach knapp 2km hielt ein LKW, der gerade von einem Zubringer kam, an und bot uns ne enge Fahrt bis nach Casablanca an, wie immer konnten wir nicht wiedersprechen und stiegen in das Führerhäuschen. Es sollte eine enge Fahrt werden weil der liebe Fahrer namens Moussa schon zwei weitere Menschen an Bord hatte und wir zu dritt die zweite Reihe bildeten, in Hocke, Schneidersitz und anderen Verrenkungen im schmalen Bett des Brummies. Eine einzigartige Erfahrung und nach vielen Stunden und wenig Bewegung gelangten wir nach Casablanca, dort wo Moussa und seine Familie lebten.

Natürlich lud er uns zu sich nach Hause ein und so bekamen wir nicht nur ein Zimmer angeboten, sondern gleich seine ganze Wohnung wo er sonst mit seiner hochschwangeren Frau lebt. Zunächst wurde uns jedoch Essen gebracht und so lernten wir zwei Etagen höher die Familie von Moussas Frau kennen. Es glich einem Generationhaus, Großmutter, Mutter und Kinder zusammen unter einem Dach. Wir wurden sehr freundlich und lieb aufgenommen und fühlten uns von Anfang an Willkommen. Nach drei Tagen waren wir immer noch bei der Familie und dann geschah etwas mit dem wir alle nicht gerechnet hatten, aber Moussas Sohn Jachia wurde geboren! Mit vollstem Vertrauen und Freude überreichten sie uns ihr erstes Kind und wünschten sich das wir in unser Muttersprache mit dem kleinen Engel sprachen, alle waren so glücklich und die Großmutter mit 70 nun endlich Urgroßmutter! Sie waren geehrt von unser Präsenz und nannten uns die Drei
Könige die für die Geburt ihres Sohnes den Weg zu ihnen gefunden hatten.
Unsere Glücklichkeit übertraf fast die der Familie, wir hatten noch nie einen so kleines und reines Wesen in den Händen halten dürfen. Anstatt sich ein paar Tage freizunehmen organisierte Moussa mit seiner Firma eine Fahrt nach Agadir um uns dort absetzen zu können, obwohl wir versuchten ihn zu überreden bei seinem Kind und Frau zu bleiben, brausten wir auch schon wieder einen Tag nach der Geburt ab.

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